•  
 

Aktuelles

Wer Kirchgeld zahlt, hilft helfen.

Veranstaltungen

So 21.04.2024,
09:00 Uhr:

Gottesdienst (Jubilate) in Meuselwitz

So 21.04.2024,
10:30 Uhr:

Gottesdienst (Jubilate) in Reichenbach

alle Veranstaltungen anzeigen

Ausstattungsstücke

Die Prinzipalstücke der St. Johanniskirche

Altar

Altar in 2021

Altar vor 2020
Der Altar ist in seiner Retabel klassisch dreiteilig aufgebaut. Auf dem Sockel (Predella) ist die Einsetzung des Heiligen Abendmahl an Gründonnerstag dargestellt. Rechts und links dieser Bildtafel auf den Pfeilerpostamenten sind die Wappen des Stifterehepaares Ernst von Gersdorff und Sofia Tugendreich von Sanderin Gersdorffin angebracht. Das Zentralbild zeigt Kreuzigung Jesu Christi (Karfreitag), darüber findet sich die Darstellung der Grablegung Jesu und als Altarbekrönung den auferstandenen Christus mit der Siegesfahne (Ostern). Der Altar wurde, wie eine Schrifttafel auf dem Rücken der Retabel ausweist, im Jahre 1685 von Andreas Lembke und George Kayser aufgebaut bzw. farbig gestaltet. 1874, zur 200-Jahrfeier der Wiedereinweihung der Kirche wurde der Altar noch einmal farbig nachgearbeitet, schon 1874 wurde die Vergoldung durch Vergoldermeister Meyer „aufgefrischt". Im Jahre 1890 stiftete Oberpfarrer Weigand neue Ornamente für die Altarsäulen.

Das voluminöse Schnitzwerk am Altar wurde wohl während der großen Renovierung 1886 aus Sicherheitsgründen abgenommen. Es war im Laufe der Zeit schadhaft geworden und man befürchtete ein Herabstürzen der Teile. Der Altar, wie alle anderen polychromatisch gestalteten Ausstattungsstücke der St. Johanniskirche, wurde durch Anke und Jan Großmann aus Radebeul 1994/95 gereinigt und konserviert und im Jahre 2020 restauriert.

Ursprünglich standen laut Chronik wohl drei Altäre in der St. Johanniskirche. In früheren Zeiten wurden die Altäre meist von reichen adligen Patronatsherren oder vermögenden Bürgern gestiftet. Einen Altar stiften bedeutete zum einen, den Altar auf eigene Kosten durch einen Meister erbauen zu lassen, zum anderen dann aber auch einen Geistlichen auf Lebenszeit zu bezahlen, der an diesem Altar Dienst tat.

Taufstein

Taufstein noch in der Süd-Ost-Ecke
Der Taufstein besteht aus einem Deckel, der über ein Zugseil über die Gewölbedecke nach oben gezogen werden kann und einem Unterbau, der eigentlichen Taufe, die aus Taufbecken und Standfuß besteht. Alle Teile sind aus Holz. Der Deckel besteht aus einer Rankenkrone (ähnlich der Kanzelbekrönung) in deren Mitte die Taufe Jesu im Jordan dargestellt ist. Darüber thront Gott auf einer Wolke und weist auf Jesus hinab und man hört förmlich den in den Evangelien überlieferten Satz: „Das ist mein geliebter Sohn". Die Taufschale ist von vier Engelgesichtern mit Flügeln gerahmt. Getragen wird das Taufbecken von einem Taufengel, geschürzt mit einem Handtuch über dem Arm. In der Mitte des Taufbeckens befindet sich eine runde Aussparung, in die das metallene Taufbecken eingelegt werden kann. In der Sakristei findet sich gegenüber der Haupteingangstür eine Piscina, in der das Taufwasser eine weitere symbolische Verwendung findet. Das Taufwasser gelangt durch das Mauerwerk an die Außenmauer zu einem Weinstock, der dort an der Südseite mit jeder Taufe wächst, wie die Gemeinde. Die Taufe wurde im Jahre 1682 unter Pfarrer Joh. Adam Gehr (1645 - 1686) erstmals genutzt. 1874 wurde sie durch Tischler Mühle erneuert, da der Unterbau durch Herabstürzen des Deckels beschädigt worden war. 1989 kam sie vergeblich nach Dresden zur Denkmalpflege. Erst 1991 gingen die ersten Teile der Taufe nach München. Hier wurde sie schließlich von Holzrestaurator Alfred René Goehring, einem Verwandten des damlas amtierenden Pfarrers, Gotthard Malbrich, für uns kostenfrei in der farbigen Fassung von 1866 gefestigt und restauriert. Die Taufe kam im Oktober 1995 zurück in die Gemeinde. Der Standort der Taufe war in den vergangenen Jahrzehnten immer die Süd-Ostecke der Kirche. Das ist aber nicht der Originalstandort, das hätte die Wandmalerei als Schattenwurf gezeigt. Deshalb wird der Standort der Taufe wohl da sein, wo üblicherweise die Taufe steht, im Chorraum in der Achse zum Altar. Dann liegt der Sakramentsvollzug auch wieder in der Gemeinde. Bis 2024 soll die Taufe nun aus zwei Gründen restauriert werden. Zum einen greift die Festigung nicht und der Substanzverlust wird immer höher und zum anderen soll sie dann auch auf die Farbfassung von 1682 zurückgeführt werden, wie alle Prinzipalstücke der Kirche.
Kanzel

Kanzel
Die Kanzel ist „der brennende Dornbusch von Reichenbach". Mit ihrem leuchtenden Gold zieht sie alle Blicke sofort auf sich, lockt an, lässt fragen, und wenn man sich ihr nähert, dann wird man mit den Zeugnissen des Alten und Neuen Testamentes sowie den aktuellen Zeugnissen, der Predigt, konfrontiert. Die Kanzel befindet sich, als verbindendes Element zwischen Langschiff und Chorraum, genau am südlichen Teil des Triumphbogens und besteht aus einem Kanzelkorb mit Aufgang und einem Kanzeldeckel, alles aus Holz gestaltet. Die Kanzel wurde 1685 unter Pfarrer Gottfried Koch (1646-1718) von Daniel Richter, zunächst nur in Holz, erbaut. Der Maler Lodes Schönberg gestaltete sie 1707 farbig. 1888 wurde die Kanzel durch den Vergolder Meyer farblich umgestaltet und marode Teile ersetzt. Das betrifft vor allem die Kanzelbekrönung. Über dem Aufgang zur Kanzel steht eine weibliche Figur mit einem Kreuz in der Hand, die Allegorie der Fides, des Glaubens, eine der drei christlichen Tugenden. Am Kanzelaufgang außen sind von unten nach oben die vier Propheten Daniel, Hesekiel, Jeremia und Jesaja dargestellt, als Zeugen des Alten Testamentes. Jeremia ist der einzige der Propheten, der ein Büßer- und Trauergewand an hat. Das lässt darauf schließen, dass sich hier die Reichenbacher Bevölkerung mit dem über Jerusalem klagenden Propheten verbunden sieht, denn Diakon Kirchhof sagte in seiner, bei der Einweihung des Kirchthurms (sc. 1629 durch Blitzschlag abgebrannt) 1646 gehaltenen Dank- und Ehrenpredigt: „Den Israeliten sind auch wir gleich geworden in ihrer Bitterniß und Elend." Und meint damit den in Trauer und Buße gehenden Jeremia, der über seine abgebrannte und zerstörte Stadt Jerusalem klagt.

Am Kanzelkorb finden sich als Zeugen des Neuen Testamentes die vier Evangelisten und als Mitte eine Darstellung des Wortes aus Joh 1,17 „Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden." Auf dem Kanzel- oder Schalldeckel steht Johannes der Täufer, der auf den Auferstanden auf der Altarbekrönung zeigt. Unter dem Kanzelkorb hängen die Wappen derer von Gersdorff. An der Unterseite des Kanzelaufganges findet sich eine Inschrift, die den Hergang der Brandereignisse von 1670 und den Erbauer der Kanzel von 1685 ausweist.

Beichtstuhl

Beichtstuhl – vorher 2015 – nachher 2016.
Der Beichtstuhl steht in der Nordostecke des Altarraumes und stammt von seiner Gestaltung her etwa aus der gleichen Zeit wie die Patronatsloge, die an ihrer Unterseite mit 1685 datiert ist. Somit gehört er höchstwahrscheinlich zur Erstausstattung der Kirche nach dem großen Brand von 1670. Er war also von Anfang an ein evangelischer Beichtstuhl. Darauf weisen auch seine Struktur und seine Bilderfolge hin. Der Innenausbau weist keine Trennwand auf, sondern zwei nebeneinander liegende Sitzplätze und eine davor liegende Kniebank. Der Beichtstuhl besteht ganz aus Holz und wurde mehrmals übermalt und farblich verändert. Die Bilder auf den Feldern der Außenwand zeigen eine dem Lutherischen Beichtbüchlein entnommene biblische Bilderfolge, die die Geschichte vom Pharisäer und Zöllner und von der Heilung des Gichtbrüchigen darstellt. Damit ist der Ablauf einer rechten Buße gezeigt: Der Ruf, Herr, sei mir armen Sünder gnädig und die Zusage Jesu: Dir sind eine Sünden vergeben. Die Salbung Jesu durch die Sünderin und der Verlorene Sohn runden diese Bilderfolge ab. Im Innenraum haben wir dann noch drei Motive aus den „Emblemata sacra" von Daniel Cramer, die allesamt Verheißungen der Beichte in lateinischer Sprache darstellen und die im Baldachin mit einem offenen Himmel mit Engelgesichtern ihren Höhepunkt finden. Der Beichtstuhl wurde 2016 restauriert.
Wandmalereien des Chorraumes

Wandmalerei – Christus, der Sieger - Ostwand
Die Wandmalerei füllt den ganzen Chorraum und stellt den Schattenwurf der dort aufgestellten Ausstattungsstücke dar. Zentral ist dabei der Altar, der die ganze Ostwand noch einmal als Schattenwurf gestaltet und uns dabei eine Ahnung davon gibt, wie er ursprünglich einmal ausgesehen hat und welche Gestaltungselemente seither verloren gegangen sind. Die seit 1996 durch Wandrestaurator Frank Michael Heidrich freigelegte Wandmalerei zeigt auf der Ostwand, wie es Christian Gottlieb Käuffer schon in seiner Chronik versprochen hatte, den Altar als Schattenwurf und damit in seiner ursprünglichen Gestalt. Die linke Ostwandhälfte (Norden) weist neben der Gestalt des Altars auch die Werkzeuge zur Kreuzigung (Lanze, Kreuz, Essigschwamm, Hammer) aus und die rechte Ostwandhälfte weist die Werkzeuge der Gefangennahmen und der Folterung Jesu Christis aus (Lanze, Schwert, Feuerkorb, Geißel, Morgenstern). Der Schattenwurf der Altarbekrönung zeigt statt des siegreich Auferstandenen Christus zu Ostern visionär den wiederkommenden Herrn in seinem Sieg über den siebenköpfigen Drachen mit den zehn Hörnern (Offb 20,1-3) und die apokalyptischen Mächte Tod, Teufel und der Hure Babylon, die sich unter dem Mantel des Auferstandenen zeigen. Das alles ist dem heute noch vorzufindenden und seit 2021 wieder restaurierten Altar in den vergangenen fast 350 Jahren durch Wurmfraß und Feuchtigkeit verloren gegangen. Der Beichtstuhl ist ebenfalls an der Ecke Ost- und Nordwand als Schattenwurf abgebildet. Auch hier zeigt sich, dass der in früherer Zeit eine Bekrönung aufwies, die dem Taufdeckel und dem Kanzeldeckel gleich gestaltet war. Die Patronatsloge ist ebenfalls als Schattenwurf ummalt, die die wenigen Verluste ausweist.

Erzengel Michael – Südfenster Chorraum

Die Umrahmungen der Epitaphien kamen später als Übermalung dazu und „zerstörten" damit wohl auch einen Teil der ursprünglichen Gesamtkomposition der Wandmalerei. In wieweit die „Offene Loge" auch gerahmt ist, ist zum Zeitpunkt (04-2021) noch nicht zu sagen. Die beiden Stifterepitaphien an der Nordwand werden sicherlich eine Rahmung haben und auch die Wandmalerei wird das Triumphierat Christus, St. Michael mit der dritten Figur über dem Nordwandfenster noch vollenden.

DIE WEITERE AUSSTATTUNG DER ST. JOHANNISKIRCHE

Patronatsloge

Patronatsloge restauriert
Die Patronatsloge war für die jeweiligen Patrone der Kirche gedacht. Patron kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Schutzherr. Patrone waren oft die zur Kirche gehörenden Rittergutsbesitzer oder aber Vertreter der Stadtverwaltung. Sie hatten das Recht der Pfarreranstellung und die Pflicht zur baulichen Erhaltung der Kirche. Auch waren sie für die Einhaltung der rechten lehre zuständig, im Jahrhundert nach der Reformation ein wichtiger Faktor. Für Reichenbach waren das über mehrere Jahrhunderte die Familien von Gersdorff, von Roon, von Sander und von Kiesewetter. Die Patronatsloge in der St. Johanniskirche gehört zur Erstausstattung bei der Wiedereinweihung 1674 und stand wahrscheinlich ursprünglich ungefasst im Holzton. Erst 1685 wurde sie gleichzeitig mit Altar und Kanzel farblich gefasst. Im Jahre 1888 wurde im Zuge der großen Renovierung die Loge farblich verändert. Die drei Bilder zeigen biblische Motive aus dem Alten Testament des Königs Josia, die die Pflichten des Patrons aufzeigen: v.r.n.l.: die rechte Lehre verteidigen, den Aberglauben bekämpfen, den Kirchbau fördern

Pfennigwerth-Loge

Pfennigwerth-Loge
Eigentlich die offene Loge. Der Name Pfennigwerth-Loge kommt von der Nutzung der Loge durch die gleichnamige Höhere Töchterschule, die 1873 begründet wurde. Die Mädchen dieser Schule im Alter von 8 bis 18 Jahren nahmen von hier aus am Gottesdienst teil. Über die ursprünglichen Nutzer liegen keine Informationen vor. Die Loge gehört zur Erstausstattung von 1674. Einige Wappen auf der Brüstung sind in den Zurückliegenden Jahren verloren gegangen. Sollte diese Loge auch einen Schatten an die Wand werfen, könnte nach der Wandrestaurierung wenigstens deren Anzahl und Form nachvollzogen werden. Laut Restaurierungsbefunden stand auch sie zuerst nur im Holzton und wurde wahrscheinlich auch 1685 in ihre bis heute erhaltene Fassung gebracht. Die Pfennigwerth-Loge wurde durch Anke und Jan Großmann 1999/2000 restauriert.
Ratsherrengestühl

“Großes“ Ratsherrengestühl (Hauptteil) - restauriert 2014
Das so genannte Ratsherrengestühl, einem Chorgestühl ähnlich, war nur damals für das neu selbstbewusst auftretende Bürgertum der Stadt gedacht. Das Chorgestühl gehört zur Erstausstattung der Kirche nach der Wiedereinweihung 1674. Farbuntersuchungen ergaben, dass das Gestühl ursprünglich ungefasst im Holzton gestanden hat und vermutlich gleichzeitig mit Kanzel und Altar 1685 farblich gestaltet wurde. 1888 erhielt es die bis 2014 vorgefundene Fassung. Seine Bildmotive sind zwei Vorlagen entlehnt. Die Rückengemälde entstammen dem „Dankaltar" des Pfarrers Müller aus Rostock von 1669 und die Brüstungsbilder mit Motiven des großen Richters Samson (4 Bilder) sind dem Werk der biblischen Bilder aus „Icones Biblicae" des Matthäus Merian d.Ä. 1626 Basel entnommen. Das Gesamtgestühl ist heute in zwei Einzellogen getrennt. Ursprünglich waren sie ein Ganzes und bildeten insgesamt drei Sechsersitzgruppen. Wie diese Gesamtloge aussah und wie sie im Chorraum aufgestellt war, lässt sich anhand von Indizien nachvollziehen. Das heute noch bestehende „Große Ratsherrengestühl" besteht aus zwei Gruppen von je sechs Sitzplätzen.

“Kleines“ Ratsherrengestühl (Restteil) - restauriert 2014

Der abgetrennte Teil bildet einen Rest des dritten Sechserabschnittes das „Kleine Ratsherrengestühl", das restauriert unter der sogenannten „Pfennigwerth-Loge" steht. Eindeutige Spuren weisen darauf hin, dass es einst an der linken Seite des großen Ratsherrengestühls anschloss. Heute finden sich als linke Wange des großen Ratsherrengestühls zwei Bilder aus dem Rückenteil des abgetrennten Gestühlteils. Die Tür aus der Brüstung und eines der beiden Brüstungsbilder ist verlorengegangen. Ein weiteres Brüstungsbild findet sich jetzt als Chorgestühl unter der Patronatsloge. Die Motive der Brüstungsbilder zeigen die großen Richter Gideon und Samson in ihren Taten.

Orgel-Empore

Orgel-Empore vor der Orgel - restauriert 2005
Die ersten drei Bildfelder der Orgel-Empore zeigen König David in Momenten, in denen seine Musikalität eine wichtige Rolle spielt. V.l.n.r. David Triumphzug nach Goliaths Sieg, David spielt Harfe vor Saul, David zieht als König in Jerusalem ein. Die Motive sind allesamt den „Icones Biblicae" des Matthäus Merian d.Ä. 1626 Basel entnommen, wie auch die der übrigen Emporenbilder.

Die rechten drei Bildtafeln stellen den Beginn des Passionsweges Jesu dar, der sich dann an der unteren Nord-Empore fortsetzt. Dabei fehlt allerdings der übliche Beginn, der Einzug in Jerusalem. Der wurde wahrscheinlich 1866, als die Empore vergrößert und in das Langschiff vorgezogen wurde, eingekürzt und als Chorgestühl ausgebaut. Es steht heute unter der „Offenen Loge".

Untere Nordempore

Nordemporen
Mit dem vierten Bild des Passionszyklus wird die Geschichte des Leidens, Sterbens, Auferstehens fortgesetzt und mit Himmelfahrt und dem Pfingstereignis, der Geburt der Kirche, abgeschlossen. Die 1. Nord-Empore wurde samt Stützpfeilern 2004 restauriert.

 

Südempore
Die Südempore war 1866 um eine zweite Etage erweitert worden, um Sitzplätze für das 1893 erbaute evangelische Lehrerseminar der Lausitzer Stände zu schaffen. Sie war baufällig, war in Stil und Machart sehr einfach gehalten und störte den Lichteinfall der Südseite und verhinderte damit den ursprünglich gewollten Raumeindruck der Kirche samt ihres „kleinen Trostbüchleins" (siehe dazu oben „Nordemporen"). Deshalb wurde sie im Jahre 2007 vorsichtig rückgebaut und Teile ihrer Bestuhlung auf der 1. Südempore, die über keine Bestuhlung verfügte, mit verbaut.

Die erste Südempore ist mit Rankenmalereien versehen, wie alle anderen Emporen auch, die Medaillons jedoch zeigen keine Bilder sondern kunstvolle farbige Marmorierungen. Sie wurde im Jahre 2016 samt ihrer Säulen restauriert.

Epitaphien

Die Epitaphen (liegend) von Hans von Gersdorff und hinter der Bank von seiner Frau
Rechts und links vom Sakristeieingang befinden sich zwei Grabplatten aus dem Jahre 1567. Auf der rechten Grabplatte ist eine Gestalt mit langem Mantel und einem Wappen dargestellt. Es handelt sich um die Gemahlin des Hans von Gersdorff. Rechts liegt Hans von Gersdorff (1501 bis 1567) selbst, der 1548 durch die Berufung des Franziskus Fleischer die Reformation in Reichenbach eingeführt hat. Die Grabplatten stammen also aus der Zeit vor dem Brand von 1670.
Der Patron und Wiedererrichter der St. Johanniskirche nach dem Brand 1670

Epitaph für Georg Ernst I. von Gersdorff (Nordwand - noch ohne Begleitvorhang)
Das Epitaphium an der Nordwand neben dem Beichtstuhl ist für Georg Ernst I. von Gersdorff, den Kirchenstifter, errichtet worden. Dieser verstarb im Jahre 1713. Der Stein ist 4,20 m hoch und 2,17 m breit. Als weitere Materialien wurden neben Sandstein, auch Holz, Metall und eine Kupfertafel verwendet. Neben diesem großen Epitaphium befindet sich ein kleines „Ehrengedächtnis" für die Gemahlin des Kirchenstifters, Sophie Tugendreich von Gersdorff, geb. von Sander, direkt über der Priesterpforte. Sophie Tugendreich verstarb im Jahre 1717. Das Epitaph wurde aus Stein gehauen. Das Porträt der Frau von Gersdorff ist auf eine Metalltafel gemalt und mit einem Holzrahmen versehen. Beide Epitaphien wurden noch nicht restauriert.

Georg Ernst II. von Gersdorff, daneben ein Epitaph für Anna Sabina

An der Südwand des Chorraumes hängt links das Epitaph für Georg Ernst II. von Gersdorff, der 1743 verstarb. Daneben ein Epitaph für Anna Sabina geb. von Gersdorff, verstorben 1731 und deren Gemahl Christoph Sigismund von Cronenwaldt, verstorben 1722. Beide Steine sind ähnlich den Nordwand-Epitaphien aus verschiedenen Materialien zusammengesetzt und sie wurden bereits durch Anke und Jan Großmann im Jahre 1998 restauriert. Ein letztes Epitaphium befindet sich im Hauptschiff am östlichen Pfeiler. Es ist Heinrich Gottlob von Oberländer, der 1717 verstarb, gewidmet. Bei den verwendeten Materialien handelt es sich um echten weißen Marmor (beide Engel und das Porträt) einem vergoldetem Herz (flammendes Herz in der Hand des rechten Engels) und anderem Stein.

Grüfte
Es befindet sich nachweislich eine Grablege derer von Gersdorff im Altarraum, die 1880 beim Anheben des Bodenniveaus und Neuverlegen des Ziegelpflasters freigelegt wurde. Der Eingang zu dieser Gruft liegt unter der Kanzel. In dieser Gruft befinden sich die Gebeine und ein Grabstein des Herrn von Sander, sowie die Überreste des 1713 verstorbenen Georg Ernst I. von Gersdorff und seiner 1717 verstorbenen Gemahlin. Die Gruft wurde bei der großen Renovierung 1887/88 geöffnet. Auf diese Gruft wird auch auf dem kleinen „Ehrengedächtnis" (Epitaph) für Sophie Tugendreich von Sanderin Gerdorffin an der Nordwand der Kirche hingewiesen.
Kirchturmuhr und Ziffernblatt

alte Uhr
Eine erste Uhr ist in den Chroniken bereits 1584 erwähnt. Im Jahre 1688 wurde eine neue Uhr eingebaut und dieselbe 1812 von dem Großuhrmacher und Schmied Christoph Ulrich aus Rosenhain renoviert. Das alte Uhrwerk steht noch heute im Kirchturm. Die jeweilige Kirchturmuhr war seit alters her immer Eigentum der Stadt und wurde erst am 5. März 1954 der Kirchengemeinde geschenkt. Im April 1996 wurden ein neues Läutewerk und eine neue, vollelektronische funkferngesteuerte Uhr von der Firma Ferner aus Meißen für 20.000 DM eingebaut. Seitdem schlägt die Uhr alle Viertelstunden mit einem Doppelschlag und die vollen Stundenschläge. Die meisten Läutezeiten für die Gottesdienste, sowie das Morgen- Mittag- und Abendläuten sind elektronisch gespeichert.

Ziffernblatt vorher – nachher – April 2021

2021 wurde nach der Sammelaktion „Schenk mir eine Minute für mein Ziffernblatt" das alte stark verwitterte Ziffernblatt von 1871 abgebaut und am 10. April unter großer Bürgerbeteiligung mit einem großen Kran ein neues Ziffernblatt und das sanierte Zeigerwerk an die St. Johanniskirche angebracht. Die Firma HIP Päsler und Hiller aus Tetta, die Firma Ehrlacher Glocken- und Uhrentechnik aus Crostau und die Kranfirma Felbermayer aus Görlitz bewerkstelligten das für knapp 12.000 EUR.

Glocken

Kleine Glocke (Bronze) –Glockenfriedhof Weißwasser 1957
Beim Brand von 1670 waren auch die Glocken geschmolzen. Bereits 1672 wurde eine neue Glocke gegossen. 1728 wurde eine weitere kleine, von Benjamin Körner in Görlitz gegossene Glocke, aufgehängt. Sie hatte ein Gewicht von 4 Zentner, 20 Pfund. 1755 wurde die Glocke von 1672 umgegossen und 1772 wurden unter Zusetzung des Metalls der im Brand zerstörten Glocken zwei neue Glocken hergestellt. 1833 wurden alle drei Glocken in Klein Welka umgegossen. Die große Glocke (Christus-Glocke) war 33 Zentner schwer und trugt die Aufschrift: „Kommt, es ist alles bereit". Die mittlere noch existierende Glocke (Luther-Glocke) wiegt 16 Zentner, trägt ein Bild von Martin Luther und die Aufschrift: „Haltet fest am Glauben". Die kleine Glocke (Melanchthon-Glocke) hatte ein Gewicht von 9 Zentnern, zeigte ein Bild von Philipp Melanchthon und die Worte: „Alles und in allem Christus". In den Chroniken steht, dass dieses Geläut weithin für seinen schönen Klang bekannt gewesen sei. 1917 entgingen diese Glocken nur knapp der Einschmelzung durch die Rüstungsindustrie. 1937 wurden elektrische Läutemaschinen angeschafft. Am 11. Juli 1942 mussten die kleine und die große Glocke an die Rüstungsindustrie abgeliefert werden. In der Glockenstube ist am linken Fenster Nordseite, Richtung Rathaus, dieses Datum eingeritzt. Nur die mittlere Luther-Glocke blieb der Gemeinde erhalten. 1955 erwarb die Gemeinde eine kleine Bronzeglocke aus dem Jahre 1921 aus Weißwasser mit einem Gewicht von 250 kg und 1956 eine neue, große in Apolda gegossene Stahlglocke. Diese ist 920 kg schwer und trägt die Aufschrift: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal. Haltet an am Gebet". So befinden sich seit 1956 mit der erhaltenen mittleren Glocke wieder drei Glocken im Turm. Da der Dreiklang der Glocken und ihre klangliche Tragweite nicht von hoher Qualität sind und die Haltbarkeit von Stahlglocken nach 50 Jahren auch die längste Zeit hatte, plant die Gemeinde bis 2024 die beiden verloren gegangenen Glocken nachgießen zu lassen und so das alte, weithin bewunderte Geläut wieder herzustellen.

zurück zurück